Auf der Kre­denz lagen sein Gewand, das Kreuz am roten Band und die Schere auf einem Tablett bere­it. Ein Novize würde heute in unsere geschwis­ter­liche Gemein­schaft aufgenom­men wer­den. Gre­gor wird er von nun an heißen — nach dem großen The­olo­gen Gre­gor von Nazianz benan­nt.

Profess Br. Gregor - Hochkirchentag 2018 Schwanberg

Der Weg in unsere Gemein­schaft begann für unseren Brud­er Gre­gor an seinem west­fälis­chen Stu­dienort in Mün­ster, wo ich mit ihm gemein­sam The­olo­gie studierte. Dass er einige Zeit später auf mich zukam und mich bat, sein Novizen­be­gleit­er zu wer­den, berührte mich sehr. Sei­ther wuchs unser Brud­er Gre­gor als Novize auf seinem geistlichen Weg. Und er spürte in sich immer mehr, dass er in unsere Gemein­schaft hinein gerufen wor­den war. Er sprach bei sein­er Pro­fess sein “Hier bin ich!” und trat damit in die Nach­folge Christi ein. Aus meinem alten Kom­mili­to­nen ist mein jüng­ster Brud­er — Brud­er Gre­gor — gewor­den.

Profess Br. Gregor - Hochkirchentag 2018 Schwanberg

An meine eigene Pro­fess­feier vor eini­gen Jahren kann ich mich natür­lich erin­nern, als wäre sie gestern erst gewe­sen. Aber doch erlebe ich mit jed­er Auf­nahme ein kleines Stück dieser alten Liturgie der Ein­klei­dung mit neuen Augen. Bei Gre­gors Ein­klei­dung war es der Gesang:

Nimm mich auf, oh Herr, nach Deinem Wort, dann werde ich leben.
Sieh’ auf meine Niedrigkeit und erbarme dich mein­er.”

Mit diesem Stück, das der Kan­di­dat dreimal mit jew­eils ansteigen­der Ton­höhe vors­ingt und die Geschwis­ter der SJB eben­so beant­worten, begin­nt die Auf­nahme. Als ich selb­st noch Novize war, hat es mich immer gereizt, schon mit den aufgenomme­nen Geschwis­tern mitzusin­gen. Erlaubt habe ich es mir nie. Das erste Mal diese Verse zu sin­gen ist eine Erfahrung, die ich auch heute nicht in Worte zu klei­den ver­mag.

Profess Br. Gregor - Hochkirchentag 2018 Schwanberg

Der Kan­di­dat ste­ht vor dem Vater, der sein Ver­sprechen ent­ge­gen­nimmt, und bre­it­et die Hände aus. Er bekun­det sin­gend, dass er nichts hat, was er geben kann und darum doch for­t­an alles geben will.  Es scheint ganz und gar para­dox, aber als Antwort auf sein Ver­sprechen hebt das eigentliche Geschehen an. Er wird in der Ton­sur in den Dienst genom­men. Die Leviten des Vaters bek­lei­den ihn mit dem neuen Men­schen, auf den hin er wer­den will.

Profess Br. Gregor - Hochkirchentag 2018 Schwanberg

Das Elis­a­bethkreuz als Zeichen der Brud­er­schaft wird ihm umgelegt. Daran wird man ihn nach außen hin erken­nen kön­nen. Der neue Name fällt in der Ver­mah­nung des Vaters zum ersten Mal. Die Geschwis­ter hören, wie ihr jüng­ster Brud­er for­t­an für sie heißen wird. Am Ende dreht er sich um, der jet­zt neu aufgenom­men wor­den ist. Hin­ter ihm haben die Geschwis­ter bere­its einen Kreis gebildet, um ihn willkom­men zu heißen. Er ist da. Endlich angekom­men, um mit der Gemein­schaft neu aufzubrechen.

Profess Gregor - Hochkirchentag 2018 Schwanberg

Es ist für mich eine der bewe­gend­sten Erin­nerun­gen an meine eigene Auf­nahme. Das Willkom­men durch die Geschwis­ter war mir damals eine Bestä­ti­gung: “Ja, Du gehörst jet­zt zu uns. Du bist ein Segen für uns.” Und am Ende war der Kan­di­dat bei allen ein­mal und ste­ht selb­st als jüng­ster an seinem Ort im Kreis, von wo er die nachk­om­menden Novizen erwartet. In diesem Kreis­lauf auf Chris­tus hin lebt unsere Gemein­schaft ihr geistlich­es Leben. Und in diesen Kreis­lauf ist unser Brud­er Gre­gor mit seinem Ver­sprechen, für den Her­rn alles herzugeben, einge­treten.

Profess Br. Gregor - Hochkirchentag 2018 Schwanberg

Mit jed­er neuen Schwest­er und jedem neuen Brud­er ver­wan­delt sich das Gesicht der Hochkirch­lichen St.-Johannes-Bruderschaft. Jede und jed­er ist für unsere geschwis­ter­liche Gemein­schaft ein uner­messlich­er vom Her­rn geschenk­ter Reich­tum. Bitte betet mit uns dafür, dass unser Brud­er Gre­gor weit­er­hin Heimat bei uns haben und gemein­sam mit seinen neuen Geschwis­tern auf den Einen Her­rn Jesus Chris­tus zulaufen wird.
Ad mul­tos annos, lieber Brud­er!

Brud­er Cypri­anus