Haus Son­neck liegt auf einem Berg hin­ter ein­er steilen Kurve. Manch­mal frage ich mich, ob das Auto die Stei­gung noch schafft. Oder ist das nur ein Sinnbild für den eige­nen Anstieg, den weit­en Weg vom All­t­ag her auf dieses son­nige Eckchen Erde?

Altar Osterkonvent Marburg 2018

Ich weiß keine Antwort auf diese Frage. Aber sozusagen aufge­fan­gen war sie in den ersten Übun­gen nach der Ves­per, zu der die meis­ten schon da waren. Wir lern­ten den ver­traut­en und doch jedes Mal über­raschend neuen tonus pere­gri­nus, den Pil­ger­ton, den Ton der Fremdlingschaft des wan­dern­den Gottesvolkes hier auf Erden. Er ist alt, wenn auch nicht so alt wie die ersten acht Töne der gre­go­ri­an­is­chen Musik. Und er schmeckt nach einem fer­nen, ver­traut­en und unbekan­nten Land.

Kruzifix Osterkonvent Marburg 2018

Der Mittwoch begann mit den Laudes, einige noch ver­schlafene Gesichter wandten sich den Iko­nen im Ora­to­ri­um und einan­der zu. Sie soll­ten mit jedem Mor­gen wach­er und heller wer­den. In der Hl. Messe, die unser Vater +Thomas zele­bri­erte, spendete er unserem Nach­wuchs die Fir­mung. Liebevoll leuchtete sein Gesicht beim Back­en­stre­ich, der mehr ein gütiger, väter­lich­er Anhauch war ein­er milden Hand im Gesicht der Novizen.

Chrisam Osterkonvent Marburg 2018

Am Nach­mit­tag standen wir in der Kirche St. Mar­tin, deren Gemeinde uns seit Jahren fre­undlich willkom­men heißt und dieses Jahr ihr 50-jähriges beste­hen feiert. Hier führten unsere Brüder Pirminius und Johannes Chrysos­to­mos uns in die Fein­heit­en des Levi­ten­di­en­stes und Altar­di­en­stes ein. Es gibt ger­ade bei den oft aufwendi­gen Feiern der Liturgie immer wieder kleine Uneben­heit­en zu schleifen und so zu höherem Glanz zu brin­gen, der den Allmächti­gen umso mehr ver­her­rlichen soll. Zeit­gle­ich unter­wies Br. Cypri­anus unsere Novizen im aufeinan­der hören­den Gebet. Für unsere Novizen, die in die Gemein­schaft hineinwach­sen wollen, stellt das gemein­same Stun­denge­bet der Geschwis­ter oft die größte Fasz­i­na­tion und zugle­ich aber auch die größte Hürde dar. Deswe­gen ste­ht das Erler­nen der Durch­führung, des Auf­baus, ja let­ztlich umfassend gesprochen der The­olo­gie des Stun­denge­betes im Zen­trum des Novizenun­ter­richt­es.

Altar bereitet Osterkonvent Marburg 2018

Altardienst Osterkonvent Marburg 2018

In der Feier der Messe am Don­ner­stag wur­den zwei unser­er Brüder mit dem Ostiari­at, dem Türhüter- und Sakris­ta­nen­di­enst beauf­tragt. Ihre Kerzen bracht­en sie dar zum Zeichen ihrer Dien­st­bere­itschaft. Dieser Dienst ist der erste in ein­er lan­gen Rei­he von Beauf­tra­gun­gen und ver­mut­lich der kör­per­lich anstren­gend­ste, umfasst er doch all die logis­tis­chen Han­dre­ichun­gen und Vorkehrun­gen, die für jede Feier der Heili­gen Eucharistie von­nöten sind. Da ist die Kirche zu öff­nen, die Sakris­tei zu bere­it­en, der Kirchraum zu reini­gen, die Gewän­der zu pfle­gen und auszule­gen, die vasa sacra und alle met­al­lenen Gegen­stände in Schuss zu hal­ten und zu polieren und so weit­er und so fort. All das ste­ht am Anfang und ist nicht neben­säch­lich, son­dern enthält wie jedes labora das ora. Ist also in seinem Vol­lzug leib­lich­es-tätiges Gebet und eben­solch­er Aus­druck der Liebe zum Her­rn. Am Nach­mit­tag dann wuchs unsere Gemein­schaft um ein neues Glied. Schwest­er Heike trat ins Noviziat unser­er Brud­er­schaft ein. Dies war für die gesamte Gemein­schaft ein großer Grund zur Freude! Der Non fol­gte still und ehrfürchtig die Anbe­tung des Aller­heilig­sten.

Anbetung Osterkonvent Marburg 2018

Am Fre­itag war ein großer Tag mit vie­len Gästen aus nah und fern, und in gewiss­er Weise wuchs auch hier unsere Gemein­schaft, näm­lich um zwei Diener im Dienst des Diakonats. Habe ich schon erzählt, dass die Sonne schien? Sie schien, nicht nur am Son­neck, son­dern über ganz Mar­burg von einem klaren, blauen Him­mel herab, als wür­den alle himm­lis­chen Heer­scharen lachen und sich mit uns freuen.

Michelchen Osterkonvent Marburg 2018

Der Nach­mit­tag bot dann wieder Zeit und Luft für das geschwis­ter­liche Beisam­men­sein, das wir nach der Non im Mar­burg­er Michelchen gegenüber der alten und ehrwürdi­gen Elis­a­bethkirche pfle­gen. Zum Michelchen gehen wir seit eini­gen Jahren, weil unser Vater +Irenäus hier 1929 begann mit ein paar sein­er Stu­den­ten die heilige Eucharistie zu feiern. Es ist gewis­ser­maßen der Geburt­sort unser­er Gemein­schaft. Dort mit­ten in Mar­burg. Mir ist diese Zeit beson­ders lieb. Gespräche ergeben sich, die auf ihre Gele­gen­heit gewartet haben. Lachen im Son­nen­schein, gemein­same Wege ereignen sich. Und manch alten Brud­er dür­fen wir jun­gen noch ein­mal ganz neu ken­nen­ler­nen.

Michelchen Innenraum Osterkonvent Marburg 2018

Abends beri­et sich die Gemein­schaft im eigentlichen Gesamtkon­vent. Wir hörten von heimge­gan­genen Geschwis­tern eben­so wie von solchen, die schöne Jubiläen ihres geistlichen Weges beg­in­gen. Grüße flo­gen durch den Raum und wir nah­men gemein­sam die kom­menden Tagun­gen in den Blick. Im Herb­st der Schwan­berg. Dann wieder Mar­burg. Schwan­berg, Mar­burg — wie das Jahr der Kirche geben die gemein­samen Zeit­en den Geschwis­tern im Kleinen eine Struk­tur und Zuver­sicht auch über manch beschw­er­lichen All­t­ag hin­weg.

Subdiakonat 1 Osterkonvent Marburg 2018

Subdiakonat 2 Osterkonvent Marburg 2018

Schon war Sam­stag. Noch immer fühlte ich mich wie ein Pil­ger, unstet in der Seele, den Pil­ger­ton von allen am meis­ten im Ohr. Umso erstaunter war ich, dass es dem HERRN gefiel, meinen ersten Dienst als Zer­e­mo­ni­ar in der Messe in fast traumwan­d­lerisch­er Sicher­heit anzuleit­en. Wie schon tags zuvor die Diakone lagen die Kan­di­dat­en des Sub­di­akonats aus­gestreckt zur Aller­heili­gen­l­i­tanei, in die einge­senkt und gle­ich­sam von ihr umarmt ein Kerngeschehen der Wei­he­hand­lung lag: die dreifache Seg­nung der sich an den Altar hingeben­den Kan­di­dat­en.

Subdiakonat 3 Osterkonvent Marburg 2018

Subdiakonat 4 Osterkonvent Marburg 2018

Noch opfern sie den Kelch nicht mit, wie es die Diakone tun, eine Hand daran, während der Priester ihn erhebt. Doch sie treten ein in die Bere­itung der Eucharistie. Der Sub­di­akon holt den ver­hüll­ten Kelch und trägt ihn zum Altar, er fügt den Tropfen Wass­er hinzu, der auf die men­schliche Natur Christi weist, und reinigt die Gefäße zusam­men mit dem Priester. Im Hochge­bet kni­et er an der Linken des Priesters und ver­tritt auf­schauend zur Hostie zusam­men mit dem Diakon die Engel Gottes. Er singt die Epis­tel und begleit­et den Diakon zum Evan­geli­um. Auch ste­ht er in der Rei­he der Altar­di­ener auf der unter­sten Stufe, dass der Weg zum Heilig­tum in den Leviten sicht­bar wird, ohne das Heilige zu enthüllen. Die Tuni­cel­la, um den Kör­p­er des Sub­di­akons gelegt und viel augen­fäl­liger als sein eigentlich­es Standesze­ichen, der Manipel als Tuch der Trä­nen des heili­gen Dien­stes, schützt den Altar vor unreinen Blick­en und zeigt doch unmissver­ständlich an, was dort geschieht.

Subdiakonat 5 Osterkonvent Marburg 2018

Der Reis­esegen beschloss die Messe. Und wir zogen unser­er Wege. Ist es nicht son­der­bar? Hier ger­ade hat­te ich den Ein­druck, anzukom­men. So ist es aber, ich sang es mir inner­lich vor, im Ton der Pil­ger: „Denn wir haben hier keine bleibende Statt, son­dern die zukün­ftige suchen wir.“ (Hebr 13,14)

Besprechung Osterkonvent Marburg 2018

Wer sich dafür entschei­det, zu prüfen, ob er zum Leben in unser­er Gemein­schaft berufen ist, nimmt den Pil­ger­stab an und auf sich als sein täglich­es Kreuz. Das, oft schmerzhafte, Auseinan­derge­hen ist nicht unlieb­sames Bei­w­erk unser­er Lebens­form, son­dern ein wesentlich­er Bestandteil. Die Geschwis­ter der Johan­nes­brud­er­schaft sind Geschwis­ter der Wüste. Und auch wenn er nicht der Patron unser­er Gemein­schaft ist, passt doch die ein­same, zurück­ge­zo­gene Leben­sart des Heili­gen Johannes des Täufers gut als Vor­bild auf uns. Kein­er aber ist allein in der gewählten und geseg­neten Ein­samkeit. Bren­nt die Sonne zu heiß, sind die Nächte der Wüste zu kalt: So sind wir einan­der Schat­ten vor der Hitze, Licht und Wärme vor dem Frost, als Pil­ger gemein­sam auf dem Weg.

Brud­er Colum­banus